Profilstelle "Netzwerk Spiritualität-Pilgern-Tourismus"
Tourismusseelsorger Christian Richter geht im Taubertal in die erste Saison. Er hat drei spezielle Orte gewählt, um seine Ideen zu erklären.
Christian Richter bleibt an einer der großzügigen Pflanzeninseln auf dem Gänsmarkt in Bad Mergentheim stehen. Seit einem Jahr ist der Gänsmarkt ein Vorzeigeplatz. Eine langweilige Fläche, die vor allem als Verkehrskreuzung genutzt wurde, ist zu einem Klimaplatz in der Altstadt umgebaut worden. Es ist für die Stadt das erste Projekt im Zuge der Landesgartenschau, die im Jahr 2034 in Bad Mergentheim stattfinden wird.
Die Gestaltung findet Richter gelungen. Er hat noch einen unverfälscht-neugierigen Blick auf die Stadt und die Umgebung. Richter hat im vergangenen Herbst die neu geschaffene Profilstelle „Netzwerk Spiritualität-Pilgern-Tourismus“ im Dekanat Mergentheim übernommen. Das Schöne am Anfang sei gewesen, die Region „wie ein Tourist zu betrachten“, sagt er. Aus dieser Perspektive hat er den Gänsmarkt als erste Station gewählt, um seine Arbeit zu veranschaulichen.
Ökumenische Zusammenarbeit
Für Richter ist die Landesgartenschau auch für die Kirche eine Chance, sich interessant zu präsentieren. Die Landesgartenschau ist ein Zukunftsprojekt. Präsenz zu zeigen, darum geht es Richter aber schon jetzt ganz konkret. Daher hat er aus dem Veranstaltungskalender der Stadt die wichtigsten Großveranstaltungen ausgesiebt, bei denen er – auch in ökumenischer Zusammenarbeit mit evangelischen Partnern – mit Angeboten anzutreffen sein wird.
Premiere für Richter war der Nachtbummel im Mai. Die nächste Veranstaltung ist das Stadtfest, in dessen Rahmen am Sonntag, 28. Juni 2026 diesmal zugleich der Regionaltag der Bürgerinitiative pro Region Heilbronn-Franken stattfindet. Neue Ideen auszuprobieren, haben ihn auf die Stelle gelockt, sagt Richter.
Neben dem Wildpark und der Therme gehört das Residenzschloss zu den Besuchermagneten in Bad Mergentheim. Daher führt Richter vom Gänsmarkt durch die Innenstadt vor die frühere, jahrhundertelange Residenz der Hochmeister des Deutschen Ordens. Sie trägt zu dem Aufkommen an Tagesgästen bei, die Bad Mergentheim jährlich verzeichnet. Es sind weit über eine Million. Richter hat die Statistiken und Zahlen recherchiert und sich die touristischen Analysen gut angeschaut. Die vielen Tagesgäste sind für ihn ein Potenzial.
Aktivurlauber wie Radfahrer sind laut Richter im „Lieblichen Taubertal“ – ein Stück dieser Region deckt er mit seiner Dekanats-Profilstelle ab – häufig anzutreffen. Ein großes Event für diese Zielgruppe ist der autofreie Sonntag. Bei der 25. Ausgabe am 2. August wird Richter mit einem ökumenischen Gottesdienst dabei sein.
Für Aktivtouristen bietet sich außerdem der regionale Martinusweg Hohenlohe-Franken an, der auf rund 90 Kilometern von Bad Mergentheim nach Heilbronn führt. Kulturinteressierte zieht es ebenfalls nach Bad Mergentheim und die Umgebung. Mit der Stuppacher Madonna des Renaissance-Künstlers Matthias Grünewald wartet auf sie ein bedeutendes Werk christlicher Kunst. Beide Aspekte will Richter nun näher zusammenbringen. Richter fährt mit dem Auto hinaus nach Stuppach und läuft einige Schritte eine Anhöhe hinauf.
Er deutet in der Landschaft auf den Verlauf des regionalen Martinuswegs. Der geht an Stuppach vorbei. Der Weg zieht oberhalb des Ortes und der Kirche, wo das Gemälde der Madonna zu sehen ist, durch die Natur. Die Idee, eine alternative Abzweigung zur Stuppacher Madonna auszuweisen, gibt es daher schon länger. Richter hat sie nun neu aufgegriffen und treibt sie voran, um diesen spirituellen Ort noch mehr Menschen zu erschließen.


